Reisebericht Mittelrhein

Der Mittelrhein zwischen Lahnstein und Bingen ist eine der schönsten und beeindruckendsten Flussstrecken in Deutschland. Die etwa 70 Kilometer lange Strecke ist bekannt für ihre malerischen Landschaften, historischen Burgen und charmanten Weindörfer. Bei unserem Rheintraining durchfahren wir mehrmals im Jahr den wunderschönen Mittelrhein inkl. der spannenden Gebirgsstrecke. Die Reise startet in Lahnstein oberhalb von Koblenz, führt uns nach St. Goar und Bingen. Nachfolgend ein entsprechender Reisebericht mit vielen nützlichen Informationen und Tipps.

Lahnstein – Bingen – Lahnstein

Eine außergewöhnliche und spannende Reise

Der Rheinabschnitt Mittelrheintal, zwischen Lahnstein und Bingen, ist eine der anspruchsvollsten und zugleich spektakulärsten Strecken für die Binnenschifffahrt in Europa. Diese Region, geprägt von steilen Hängen, engen Passagen und zahlreichen Kurven, stellt besondere Herausforderungen an die Schiffsführer.

Besonders kritisch ist die Passage der Loreley, wo der Rhein eine scharfe Kurve macht und Strömungen sowie Untiefen die Navigation erschweren. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wird hier die Wahrschauregelung eingesetzt. Moderne Navigationshilfen wie Radar, GPS und das Automatic Identification System (AIS) sind unverzichtbar, um Echtzeitinformationen über die Position und Bewegung der Schiffe zu erhalten. Kontrollzentren überwachen den Schiffsverkehr rund um die Uhr und kommunizieren kontinuierlich mit den Schiffsführern.

Trotz der technischen Hilfsmittel und Maßnahmen bleibt die Durchfahrt anspruchsvoll, und Unfälle können nicht immer vermieden werden.

Der Rheinabschnitt Mittelrheintal ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein landschaftliches Highlight. Wir genießen auf der Reise den Anblick der malerischen Weinberge, mittelalterlichen Burgen und charmanten Dörfer entlang des Flusses, was die Fahrt durch dieses UNESCO-Welterbe zu einem einzigartigen Erlebnis macht.

Lahnstein

Start- und Zielhafen der Reise

Nur 2 Kilometer oberhalb der Schleuse Lahnstein übernehmen wir unsere Yacht. Die aufgestaute Lahn ist malerisch und hat außer bei Hochwasser kaum nennenswerte Strömung. Hat man Zeit, wäre die Lahn mit ihrem rund 60 km schiffbaren Verlauf auch eine Reise wert. Aber uns zieht es nun auf den Rhein. Die Schleuse Lahnstein ist nur telefonisch zu erreichen (02621-62558). Einfach 20 Minuten vor Ankunft anrufen und der sehr nette Schleusenwärter kümmert sich. Je nach Wasserstand auf dem Rhein geht es 4-6m runter!

Lahnmündung

Rheinkilometer 585,7 (rechtsrheinisch)

Nach nur 3 Kilometern unterhalb der Schleuse erreichen wir die Lahnmündung. Die Bergfahrt auf dem Rhein kann man ganz gut einsehen, aber der Blick auf die Talfahrt ist durch Bäume versperrt. Daher macht es durchaus Sinn sich über Funk (Kanal 10) mal zu melden. Like this: „Die Motoryacht Julia kommt aus der Lahn und geht zu Berg“ Bestenfalls stellt sich ein Crewmitglied als Ausguck auf das Vorschiff.

Im Verlauf der Reise lernen wir aber auch, dass bis St. Goar die „Fahrt nach beruflicher Übung“ angewendet wird, also die Fahrt mit der s.g. „blauen Tafel“. Sie zeigt der Talfahrt an, ob die Begegnung Backbord-Backbord oder eben mit „blauer Tafel“ Steuerbord-Steuerbord erfolgen soll. Hier an der Lahnmündung fährt die Bergfahrt in der Regel mit „blauer Tafel“, somit fährt die Talfahrt am gegenüberliegenden Ufer.

Blaue Tafel – geregelte Begegnung…

Hinweise dazu

Der Rhein hat keine durchgehende Betonnung wie eine Seeschifffahrtsstraße, also keinen Tonnenstrich, an dem Sie sich langhangeln können. Wenn Tonnen ausgelegt sind, hilft folgende uralte Eselsbrücke noch heute: runter – rechts – rot

Liegen keine Tonnen aus, hilft nur Ortkenntnis und/oder eine gute Vorbereitung. Am Niederrhein zum Beispiel ist die Fahrrinne 150 m breit. Das tiefe Wasser ist, wenn es nicht durch Fahrwassertonnen anders gekennzeichnet ist, auf einem geraden Flussabschnitt immer in der Flussmitte.

In Kurven (Flusskrümmungen genannt) ist das tiefe Wasser im “Hang” (Außenkurve) und flach ist es im “Ort” (Innenkurve). Das ist bedingt durch die Trägheit des Wassers, was immer den langen Weg nimmt und mit der im Hang stärkeren Strömung auf natürliche Weise Segmente, Steine, Kies und Geröll am Grund mitnimmt. Dafür ist in den Innenkurven aber auch deutlich weniger Strömung, denn die geht durch den Hang! Durch Buhnen am Ufer wird versucht, die “Strömung” dort zu halten, wo die Fahrrinne ist. Vielleicht bleiben Sie erstmal hinter einem beladenen Berufsschiff und machen sich so vertraut, denn dort wo es fährt, ist auch für Sie i.d.R. genug Wasser.

Nun gibt es Streckenabschnitte, wo die Bergfahrt der Talfahrt den Weg weisen darf. Dies geschieht mit einer s.g. „Blauen Tafel“, die jedes Schiff (ausgenommen sind Kleinfahrzeuge) an der Steuerbordseite hat. Nachts ist es ein weißes Blinklicht.

Der Bergfahrer versucht, an diesen Streckenabschnitten immer auf der Kurveninnenseite zu fahren, da dort weniger Strömung ist. Wechselt er hierfür die Fahrwasserseite, setzt er die Blaue Tafel und der entgegenkommende Talfahrer erwidert als Bestätigung ebenso mit seiner Blauen Tafel. Man spricht von Begegnung „Steuerbord an Steuerbord“. Gleichzeitig besteht für den Bergfahrer die Verpflichtung, der Talfahrt ausreichenden Raum zu lassen. Man spricht hier von „Fahren nach beruflicher Übung“. Kleinfahrzeuge (< 20m) sind zwar von dieser Regelung ausgenommen, sollten den “Seitenwechsel” aber mitmachen, da es sonst sehr eng werden kann.

Fahrregeln auf dem MittelRhein

§§ 9.02; 9.04; 9.07; 9.11 RheinSchPV

Mannheim (km 428,2) bis Lorch (km 540,2)

  • Geregelte Begegnung (§ 9.04) Backbord an Backbord.

Lorch (km 540,2) bis St. Goar (km 556)

  • Die Bergfahrt muss das linke, die Talfahrt das rechte Ufer anhalten. Rechtsfahrgebot! (§ 9.07).

St. Goar (km 556) bis Duisburg Huckingen (km 769; Hochspannungsleitung Ehingen).

  • Fahrt nach beruflicher Übung (§ 9.604). Die Bergfahrt bestimmt den Kurs ob mit, oder ohne blaue Tafel gefahren wird. Die Bergfahrt muss der Talfahrt einen geeigneten Weg freilassen, also das tiefere Fahrwasser. Die Bergfahrt fährt dort, wo die geringere Strömung ist. Bei „unsichtigem Wetter“ muss jeder rechts fahren (§ 9.11)

Auf dem Rhein

die strömung lesen

Sobald der Bug in den Rhein ragt, spürt man die Strömung. Also Gas geben und eine vernünftige Drehzahl und Reisegeschwindigkeit finden. Schnell gewöhnt man sich an die Strömung, die hier je nach Wasserstand um die 5-6 km/h beträgt. Wir einigen uns auf knapp 2.000 U/min, so ist die Geräuschkulisse moderat und die Geschwindigkeit liegt bei – ja wo liegt sie denn? Die Logge, die die Fahrt durchs Wasser anzeigt, ist nicht aussagekräftig. Die Geschwindigkeit über Grund, die ein Kartenplotter oder GPS anzeigt ist gut, aber es geht noch genauer: die gute alte Weg-/ Zeitmessung. Der gesamte Rhein ist kilometriert und am Ufer gekennzeichnet. Die vollen Kilometer (schwarze Zahlen auf weißem Grund), die Hundertmeter mit den Zahlen 1-2-3-4___6-7-8-9. Die 500m werden mit einem großen schwarzen Kreuz auf weißem Grund angezeigt. Also stellen wir uns nach passieren des nächsten vollen Kilometer 585 den Timer auf 60 Minuten. Nach Ablauf schauen wir bei welchem Kilometer wird sind und haben ein genaues Ergebnis.

Schloss Stolzenfels

Rheinkilometer 585 (Linksrheinisch)

Das erste Highlight, Schloss Stolzenfels, ist ein beeindruckendes Beispiel neugotischer Architektur. Ursprünglich 1259 erbaut und nach Zerstörungen im 19. Jahrhundert im romantischen Stil wiederaufgebaut, diente es einst als Zollburg. König Friedrich Wilhelm IV. ließ das Schloss nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel neu errichten. Es zeichnet sich durch zinnenbewehrte Türme, gotische Fenster und kunstvoll gestaltete Innenräume aus. Die umliegenden Gärten bieten einen herrlichen Blick auf den Rhein. Heute ist Schloss Stolzenfels ein beliebtes Touristenziel und Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Der Braubaucher Grund

Kilometer 580

Mitten im Rhein liegt der Braubacher Grund, schräg unterhalb der beeindruckenden Marksburg. Felsen, die erst bei einem Pegelstand (Kaub) von 1,50m zu sehen sind. Der Fels bläckt dann heißt es. Hier haben wir eine Fahrwasserteilung. Linksrheinisch geht es durch das kleinere Niederspayerfahrwasser, rechtsrheinisch das Braubacherfahrwasser. Angezeigt ist der Braubacher Grund mit einer Fahrwassertrennungstonne (rot/grün gestreift). Insbesondere in der schnellen Talfahrt kommt es hier jedes Jahr zu Grundberührungen von Sportbooten. Aufpassen!

Boppard

Rheinkilometer 571 (Linksrheinisch)

Leider keine Liegeplätze für Sportboote. Boppard am Rhein ist eine malerische Stadt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, bekannt für ihre reiche Geschichte und beeindruckende Landschaft. Gelegen in Rheinland-Pfalz, bietet Boppard historische Sehenswürdigkeiten wie die römische Kastellmauer und die Kirche St. Severus. Die Rheinschleife bei Boppard ist ein besonderes Naturphänomen und zieht viele Wanderer und Naturliebhaber an. Der Weinbau hat hier eine lange Tradition, und die Stadt ist für ihre ausgezeichneten Weine bekannt. Boppard ist zudem ein beliebtes Ziel für Touristen, die die Schönheit des Rheins und die kulturellen Schätze der Region genießen möchten. Hier wechselt man den Funkkanal der Oberwesel Revierzentrale von bisher Kanal 22 auf Kanal 18!

St. Goar

Kilometer 557 (linksrheinisch)

Viel schöner kann man eigentlich nicht liegen. Direkt unterhalb der Burg Rheinfels liegt am Ende des Hafenbeckens die Fun Boat Marina. Nach dem Umbau 2022/23 sind neue Sanitäreinrichtungen entstanden. In der Saison bietet die Marina auch eine sehr schmackhafte Abendkarte. Sogar eine Bootstankstelle (Diesel) ist vorhanden. Zu Fuß sind es nur wenige Minuten in die Stadt. Die Marina ist erreichbar unter 0163-1699554. Für die „Bergziegen“ lohnt der Aufstieg zur Burg, von der man einen wunderbaren Ausblick auf den Rhein hat.

Die Gebirgsstrecke ruft

Rheinkilometer 555 – 528

Knapp 30 Kilometer ist die spannende Gebirgsstrecke lang. Sie erstreckt sich von St. Goar bis zum Binger Loch (Höhe Nahemündung). Hier gilt es einiges zu beachten, aber auch zu bestaunen. Wachsam bleiben und sich im Vorfeld unbedingt mit den Signalstellen (Wahrschaustellen) beschäftigen. Los geht’s!

Die Signalstellen I

Linksrheinisch

Sagen und Mythen ranken sich seit Generationen um die Gebirgstrecke. Mit Abstand der anspruchsvollste, aber auch der schönste Streckenabschnitt. Nicht ohne Grund ist es seit 2002 UNESCO Weltkulturerbe. Zwischen Bingen und St. Goar schiebt sich Vater Rhein durch die von Bergen umgebene Engstelle. Die Talfahrt hat keine Möglichkeit und wird förmlich mit der starken Strömung durch die Strecke geschoben. So muss die Bergfahrt an den engen und schmalen Stellen aufpassen und ggf. warten. Wahrschau halten!

Bereits unsere Vorfahren errichteten Verkehrsposten und haben mit Flaggensignalen angezeigt, was für welche Fahrzeuge in der Talfahrt waren. Die Bergfahrt konnte so vor den Engstellen warten. Heute wird dies mit Lichtzeichen (Foto) angezeigt. Zudem ist die Oberwesel Revierzentrale Ansprechpartner für die Schifffahrt über Funk und informiert über Besonderheiten.

Trotz aller Technik ist die Strecke noch immer äußerst anspruchsvoll. Die letzte große Havarie war im Jahr 2011, als die TMS Waldhof in der Talfahrt bei Hochwasser an der Loreley umschlug. Zwei Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben. Der Rhein war über Tage für die Schifffahrt gesperrt.

Die Signalstellen II

Linksrheinisch

Die Signalstellen (fünf Stück im Bereich Oberwesel – St. Goar, jeweils am linken Ufer), sind unter § 12.02 der RheinSchPV im Detail nachzulesen. Hier gehe ich nur auf die Signalstellen C/D/E kurz ein. Der Bergfahrt wird an diesen drei Stellen die Annäherung von Talfahrern (Ausnahme von Kleinfahrzeugen) angezeigt.

  • Signalstelle C “Betteck“ km 553,61
  • Signalstelle D gegenüber der Loreley km 554,34
  • Signalstelle E „An der Bank“ km 555,43

Alle drei Balken (Lichtlinien) geschaltet:

  • In der Talfahrt fährt mindestens ein Verband >110m zu Tal.

Zwei dachförmig geschaltete Lichtlinien:

  • In der Talfahrt befindet sich mind. ein Verband bis 110m oder ein Fzg. >110m zu Tal.

Eine nach rechts geneigte Lichtlinie:

  • In der Teilstrecke fährt mindestens ein Einzelfahrer bis 110m zu Tal.

Nur die untere, waagerechte Lichtlinie geschaltet:

  • In der Teilstrecke befindet sich keine Talfahrt.

Zwei rote Lichter:

  • Schifffahrt gesperrt! (auch für Kleinfahrzeuge)

Koppelverband zu Tal an der Loreley

Auf diesem Video erkennt man ganz gut, dass die talfahrenden Schiffe eher driften, als um die Kurven fahren. Daher ist es wichtig die Signalstellen zu kennen, um als Bergfahrer ggf. unterhalb der Engstellen zu warten.

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Die Loreley

Rheinkilometer 554

Knapp 30 Kilometer ist die spannende Gebirgsstrecke lang. Sie erstreck sich von St. Goar bis zum Binger Loch (Höhe Nahemündung). Hier gilt es einiges zu beachten, aber auch zu bestaunen. Wachsam bleiben und sich im Vorfeld unbedingt mit den Signalstellen (Wahrschaustellen) beschäftigen. Los geht’s!

Geisenrücken

Kilometer 552,5 (Flussmitte)

Hinter der Signalstelle „Am Kammereck“ liegt in der Flussmitte die Untiefe „Geisenrücken“. Wie auch beim schon beschriebenen „Braubacher Grund“ gibt es eine gekennzeichnete Fahrwassertrennung. Also wachsam bleiben!

Oberwesel

Rheinkilometer 551 (linksrheinisch)

Nach dem Geisenrücken sieht man schon Oberwesel. An der letzten Kurve befindet sich linksrheinisch das Tauber Werth und gegenüber die Untiefe „Sieben Jungfrauen“. Hier befindet sich dann auch die letzte Signalstelle. Am Tauber Werth kann es nochmal eng werden, wenn ein Koppelfahrband zu Tal kommt. Man sieht in Oberwesel sofort den Ochsenturm unterhalb der großen Kirche. Links daneben in dem „runden“ Gebäude an der Signalstelle befindet sich die Revierzentrale Oberwesel. Leider hat auch Oberwesel keine Liegeplätze für Sportboote, was sehr bedauerlich ist, denn der Ort hat was. Zumal es einen kleinen „Schutzhafen“ gibt, der jedoch für Sportfahrzeuge (außer in Notfällen) geschlossen ist. Schade!

Kaub mit der Burg Pfalzgrafenstein

Kilometer 546 (rechtsrheinisch)

An der „Pfalz“, wie die alte Burg genannt wird ist es nochmal etwas enger. Die Burg Pfalzgrafenstein, malerisch auf der Insel Falkenau im Rhein bei Kaub gelegen, wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Ihre strategische Lage ermöglichte die Kontrolle und Zollerhebung des Schiffsverkehrs auf dem Rhein. Die Burg, oft als „Pfalz im Rhein“ bezeichnet, zeichnet sich durch ihren fünfeckigen Grundriss und den markanten Bergfried aus. Trotz ihrer militärischen Bedeutung wurde sie nie erobert oder zerstört. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, das historische Einblicke in die mittelalterliche Zollstation bietet und als Symbol für die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Rheins im Mittelalter gilt. Die Burg gehört zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Bacharach – Lorch – Niederheimbach …

schauen und genießen

Es wird ein wenig entspannter am Oberwesel, da die Kurven nicht mehr so eng sind und man eine ganz gute Vorausschau hat. Nette Orte, Burgen und Schlösser rechts wie links. Zeit zum genießen. Die wunderschöne Burg in Bacharach ist heute eine beliebte Jugendherberge und der Ort lock mit schönen Gassen und Fachwerkhäusern. In Lorch endet das „Rechtsfahrgebot“, welches seit St. Goar in der Gebirgsstrecke gilt. Ab Lorch fahren wir in der s.g. „geregelten Begegnung“. Frei übersetzt heißt das: Man kann am linken oder rechten Ufer zu Berg fahren, wenn jedoch Talfahrt kommt, muss die Begegnung Backbord-Backbord erfolgen.

Einfahrt ins Binger Loch

Kilometer 532

Kurz vor dem märchenhaften „Mäuseturm“ wird es wieder spannend, da hier die Strömung nochmal zulegt. In den blanken Felsen wurde eine schmale Durchfahrt gesprengt. Hier ist die eigentliche Engstelle, wo der Rhein in eine Art Trichter fließt und so Fahrt aufnimmt. Bei Pegelstand Kaub von 3,50m haben wir hier im Binger Loch eine Stromgeschwindigkeit von ca. 9 km/h. Hinter dem Binger Loch, also etwa Höhe Beginn der Stadt Bingen (oberhalb der Nahemündung), wird die Strömung schlagartig weniger, der Rhein ruhiger und ab Rüdesheim deutlich breiter.

Der Mäuseturm

linksrheinisch

Der Mäuseturm ist ein mittelalterlicher Wehrturm. Der Turm steht auf einer kleinen Insel im Fluss und ist aufgrund seiner markanten Lage und der Legenden, die sich um ihn ranken, eine bekannte Sehenswürdigkeit.

Der Mäuseturm wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert als Zollturm errichtet. Er diente dazu, den Schiffsverkehr auf dem Rhein zu überwachen und Zölle einzutreiben. Im 19. Jahrhundert wurde der Turm restauriert und erhielt sein heutiges neugotisches Erscheinungsbild. Der Turm ist ein steinernes Bauwerk mit einer quadratischen Basis und mehreren Stockwerken. Er hat eine Höhe von etwa 25 Metern und ist durch seine Fensteröffnungen und Zinnen charakteristisch.

Die bekannteste Legende um den Mäuseturm ist die Geschichte von Erzbischof Hatto II. von Mainz, die im 10. Jahrhundert spielt. Laut der Legende soll Hatto während einer Hungersnot das Getreide der Bauern gehortet und die Hilfesuchenden vertrieben haben. Um sie zu bestrafen, sperrte er die hungernden Menschen in eine Scheune und zündete sie an. Die Schreie der Sterbenden sollen ihn verfolgt haben. Kurz darauf, so die Legende, wurde Hatto von einer Armee von Mäusen angegriffen. Die Mäuse sollen über den Rhein geschwommen sein und ihn im Turm auf der Insel belagert haben. Schließlich fraßen sie ihn bei lebendigem Leib auf. Der Turm erhielt daher den Namen „Mäuseturm“.

Der Mäuseturm bei Bingen steht heute als ein Symbol für Gerechtigkeit und die Strafe für Grausamkeit. Die Legende von Hatto und den Mäusen ist eine eindrucksvolle Erzählung über Machtmissbrauch und die unbarmherzige Rache der Natur (aus ChatGPD).

Bingen und Rüdesheim

Liegeplätze – Essen – Trinken

Dort wo die Fähre von Bingen nach Rüdesheim übersetzt, teilt sich das Fahrwasser. Das Hauptfahrwasser führt linksrheinisch weiter, dass kleinere „Rüdesheimer Fahrwasser“ geht eng an der Stadt Rüdesheim rechtsrheinisch vorbei. Am Ende der Stadt ist die Einfahrt zum kleinen Yachthafen Rüdesheim. Ob man sich die „Drosselgasse“ antun muss, mag jeder für sich entscheiden. Ich persönlich liege lieber im MYC Bingen. Dieser befindet sich hinter dem Fähranleger ganz am Ende von dem dortigen Hafenbecken (Hafen Bingen). Liegt die Fähre gerade dort ab, ist die Einfahrt in den Hafen „blockiert“. Besser die Fähre kurz auf Kanal 10 anfragen. Die neu gestaltete Rheinpromenade ist sehr schön geworden. In 2 km erreicht man das erste gute Restaurant, das alte Zollhaus. Weiter längs am Wasser kommen noch andere schöne Gaststätten. Ein Tipp: Man kann auch in Bingen liegen und dann als Fußgänger mit der Fähre nach Rüdesheim fahren und dort den Abend verbringen.

Oberhalb von Bingen

es wird ruhig

Der Rhein hat hier seine Kraft verloren, da er breit wird und von Auen durchzogen ist. Auen sind große Inseln. Einige so groß, dass sie für Sportboote befahrbar und freigegeben sind. Kaum Strömung, wunderschöne Ankerbuchten. Die „Gies“ ist ein Eldorado für Wassersportler. Vorbei an Oestrich und Eltville (wunderschön) nähern wir uns bereits dem Einzugsgebiet von Wiesbaden, Mainz und Frankfurt. In Schierstein (rechtsrheinisch) gibt es einen großen, modernen Yachthafen.

Hier nun endet unser kleiner Revierbericht und hoffen Sie konnten die Faszination Mittelrhein ein wenig miterleben. Gute Reise!

Skizze: Lahnstein – St. Goar

Skizze: St. Goar – Bingen

Geschrieben von Christian Zaloudek

Patentinhaber und Trainer

Genießen Sie gut vorbereitet die Reise durch einen der schönsten Streckenabschnitte, den wir in Deutschland haben. Herzlich gerne gebe ich meine Erfahrungen weiter und versäumen Sie bitte nicht die kulinarischen und landestypischen Spezialitäten.“

Christian hat ein Fachbuch herausgebracht was sich intensiv mit dem Fahren auf dem Rhein beschäftigt. Neben rechtlichen Themen gibt es auch einen spannenden Einblick in die Historie der Rheinschifffahrt. Oder wussten Sie schon was u.a. „einsemmen“ bedeutet.

Beiträge zum Thema Rhein

Yachttraining auf dem Rhein (Mittelrhein)

29.08.2023|

Wir möchten Sie auf den Rhein entführen und dort ein besonderes Training anbieten, denn als ein Highlight wird die Gebirgsstrecke (Mittelrheintal) durchfahren. Dazu gibt es wertvolle Hinweise zu dem anspruchsvollen Revier, aber auch praktische Tipps, die den Umgang mit einer modernen Motoryacht zeigen und vertiefen.

Talfahrt durch die Gebirgsstrecke von Oberwesel bis St. Goar

Die Gebirgsstrecke im Mittelrheintal zwischen Oberwesel und St. Goar ist ein beeindruckendes Beispiel für die Schönheit und Dramatik der Rheinlandschaft. Diese Strecke, die sich entlang eines besonders engen und felsigen Abschnitts des Rheins erstreckt, bietet spektakuläre Ausblicke auf die steil aufragenden Hänge und die malerischen Weinberge, die die Region prägen.

Ein Highlight dieser Strecke ist zweifellos die weltberühmte Loreley, ein schroffer Felsen, der sich majestätisch bei Stromkilometer 554 über den Rhein erhebt. Die Loreley ist nicht nur ein landschaftliches Wahrzeichen, sondern auch mit zahlreichen Mythen und Legenden verbunden. Einer der bekanntesten ist die Sage der betörenden Nixe Loreley, deren Gesang die Schiffer in den Tod gelockt haben soll.

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