Princessin “Rubio of Portsmouth” zur Messe ‘boot’ überführt

Christian Zaloudek nimmt uns mit auf eine Reise und zeigt, wie eine solche Überführung abläuft.

Unbarmherzig schellt der Wecker um 5 Uhr und ich erwache erst nach einer Dusche und zwei Kaffee. Mit dem Auto fahre ich nach Duisburg zum Hauptbahnhof und steige kurz vor 7 Uhr in den Zug, der mich mit zwei Umsteigeverbindungen quer duch Holland bringt. Trotz sehr sportlichen Umsteigezeiten von nur 3 Minuten passt alles und ich stehe um 10:20 Uhr vor dem Traumschiff.


Tasche in die Ecke, ein freundliches ‘good morning’ an die beiden Techniker aus England, die mich begleiten und schon stehe ich im Fahrstand. Mein Arbeitsplatz für die nächsten zwei Tage.

Hat schon ein bisschen was von James Bond, nur das hier weder Frauen, Waffen noch gerührter oder geschüttelter Alkohol an Bord zu finden sind.


Die Yacht muss den Rhein hoch nach Düsseldorf, wo sie dann auf der weltgrößten Wassersportmesse, der ‘boot’ als eine, der drei größten Megayachten ausgestellt wird.

Mit 26,50 m Länge und einer Breite von 6,30 m ein echter Hingucker. Angetrieben wird sie von 2 Hauptmaschinen der Marke MAN mit je 1900 PS. Also mit 3.800 PS den Rhein hoch. Laut Werftangaben soll sie 31-33 kn ( knapp 60 km/h) schaffen, was ich auf dem Rhein aber nicht testen konnte, aber durchaus glaube.


Die Fahrt ansich ist ereignislos, fast schon langweilig. Das Wetter ist ebenfalls bescheiden mit Nieselregen.

Abends erreichen wir im letzten Licht Emmerich, wo wir im Stadthafen festmachen und übernachten.

Zum Abendessen wählen wir den Griechen “Syrtaki” und fallen nach einem Kaltgetränke in der urige Kneipe “Cantina Estrella’s” in die warme Koje.


Tag 2. Früh morgens los. Leider ist das Wetter immer noch bescheiden. Falsche Jahreszeit, falsches Revier für die stolze Princessin denke ich.


Gegen 11 Uhr erreichen wir Orsoy (km 794), wo wir vom Fähranleger aus “geblitztdingst”, also fotografiert wurden wurden. Danke… für die Bilder. Die DSGVO erlaubt mir leider nicht zu schreiben, wer der Fotograf war.


Hier auf dem Oberdeck könnte man jetzt so schön sitzen und die Kreuzfahrt genießen. Alles da. Grill, Kühlschrank…

Aber wie gesagt, falsche Jahreszeit.


Schwelgern. Schön langsam, da hier viele Schubleichter liegen und Schubverbände zusammengestellt werden.

Schädlichen Sog-/Wellenschlag vermeiden ist hier das Stichwort.


Um 15:30 Uhr erscheint unser Ziel, die Landeshauptstadt Düsseldorf. Kurz zuvor wurde ich erneut fotogeknipst. Hier sage ich Danke Jens L. !!!

Ohne Probleme und Zwischenfälle verlief die Reise. Die Werft hat eine erstklassige Qualität abgeliefert und der neue Eigner darf sich wirklich freuen.


In der Marina Düsseldorf werden die Yachten “zwischengeparkt”, bis sie zum “Big Willi” gerufen werden, um aus dem Wasser gehoben und in die Messehallen gebracht werden.

Das ist “Tetris” für ganz Große und eine logistische Meisterleistung der Messe.


Hier noch ein kleiner Ausblick über die Arbeit vom “Big Willi”

oder wie kommen die Yachten aus dem Rhein in die Messehallen?

‘Big Willi’ ist eine Einzelanfertigung und somit einmalig auf der Welt. Konstruiert und gebaut vor rund 40 Jahren für wenige Einsatztage im Jahr. Er wird immer nur vor und nach der weltgrößten Massersportmesse, der ‘boot’ Düsseldorf gebraucht. Die restliche Zeit steht er ungenutzt auf dem Messegelände. Namensgeber war der ehemalige Innenminister von NRW “Willi Weyer”.


Wie funktioniert es nun?

“Big Willi” fährt quer zur Strömung auf einer Betonrampe in den Rhein. Dort senkt er die schweren Hebegurte runter und lässt mit einer Winde eine ‘Fangleine’, die an einem Fender schwimmt, zu Tal treiben. Mit der Yacht fährt man dann gegen die Stömung auf den “Willi” zu und übernimmt mit einem Bootshaken den Fender. Die Fangleine wird nun an der Bugklampe befestigt und die Winde angezogen. Sie zieht die Yacht mittig in den “Big Willi”. Dort angekommen werden die Hebegurte angezogen und die Yacht aus dem Wasser gehoben. Das war’s schon. “Willi” fährt (an dicken Drahtseilen gezogen) nun die schräge Rampe hoch, wo oben auf der Geraden ein Tieflader wartet, auf dem die Yacht abgesetzt und in die Messehalle transportiert wird.

Die nachfolgenden Videos zeigen die Arbeit… (thanks Eddie for the video!!!)




Nach der Messe geht es wieder zurück in den Vater Rhein. Gurte runter, einen Moment warten bis die Seefilter (Kühlwasser) voll gelaufen sind. Maschinen starten, Fangleine am Bug bereits im “Willi” lösen, mit der Strömung rückwärts raustreiben lassen und dann nach Steuerbord abdrehen und ab dafür. Alles klar??

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