“TMS xxx” mit Überlänge zu Tal am Geisenrücken

Christian Zaloudek nimmt Sie mit auf eine spannende Reise

“Alter! Ist das dunkel”. Oder: “Nachts sind alle Katzen grau”

Beispiel einer Talfahrt bei Nacht durch die Gebirgsstrecke

Die berühmt, berüchtigte Gebirgsstrecke zwischen dem Binger Loch und St. Goar ist schaurig schön. Landschaftlich am Tage absolut reizvoll, freundlich anmutend und einzigartig. Burgen, Schlösser, nette kleine Ortschaften. Alles wunderbar für Besucher und Landschaftsfreunde.

Nachts ist die Strecke nur noch berüchtigt, angsteinflößend und daher einzigartig! Zumindest aus Sicht eines Schippers, der seine Kiste da heil durchbringen muss. Unter und neben uns nur nackter, massiver Fels, der keinen Fehler verzeiht. Man sitzt voll Adrenalin vor dem Radarbild und versucht die kleinen Echos der Fahrwassertonnen zu finden und anzuhalten. Ich schreibe diesen Beitrag, um mal “unsere” Sicht der Durchfahrt zu zeigen und auf die Probleme der Schipper aufmerksam zu machen.

Insbesondere die Talfahrt benötigt volle Konzentration, denn die Strömung schiebt uns durch die Engstellen. Die entgegenkommenden Schiffe (Bergfahrer) haben es ein wenig einfacher. Aus diesem Grund hat die Talfahrt auch Vorrang vor der Bergfahrt. Die Bergfahrt muss an neuralgischen “Ecken” warten, bis die Talfahrt durch ist. Dies wird in dem Streckenabschnitt durch eine Verkehrszentrale (Oberwesel Revierzentrale) geregelt. Entsprechende Lichtzeichenanlagen zeigen den Verkehr in den entsprechenden Streckenabschnitten an. Zusätzlich nutzen wir den Funkverkehr. Beispiel hier: “TMS xxx am Geisenrücken mit Überlänge zu Tal”. Überlänge bedeutet in meinem Fall 135m. Mit einem Koppelverband sind wir auch schnell bei einer Länge von 200m. Das drückt, schiebt, lässt driften!

Das Mittelrheintal / Gebirgsstrecke

Sagen und Mythen ranken sich seit Generationen um die Gebirgstrecke. Mit Abstand der anspruchvollste, aber auch der schönsten Streckenabschnitt. Nicht ohne Grund ist es seit 2002 UNECO Weltkulturerbe.

Zwischen Bingen und St. Goar schiebt sich Vater Rhein durch die von Bergen umgebene Engstelle. Die Talfahrt hat keine Möglichkeit und wird förmlich mit der starken Strömung durch die Strecke geschoben. So muss die Bergfahrt an den engen und schmalen Stellen aufpassen. Wahrschau halten!

Bereits unsere Vorfahren errichteten Verkehrsposten und haben mit Flaggensignalen angezeigt, was für welche Fahrzeuge in der Talfahrt waren. Die Bergfahrt konnte so vor den Engstellen warten. Heute wird dies mit Lichtzeichen (Foto) angezeigt. Zudem ist die Oberwesel Revierzentrale Ansprechpartner für die Schifffahrt über Funk und informiert über Besonderheiten. In der Weiterentwicklung sind aktuell alle Tankschiffe mit automatischen Transpondern ausgerüstet.

trotz aller Technik ist die Strecke noch immer äußerst anspruchsvoll. Die letzte große Havarie war im Jahr 2011, als die TMS Waldhof in der Talfahrt bei Hochwasser an der Loreley umschlug. Zwei Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben. Der Rhein war über Tage für die Schifffahrt gesperrt.

Die Signalstellen (fünf Stück im Bereich Oberwesel-St. Goar, jeweils am linken Ufer), unter § 12.02 der RheinSchPV im Detail nachzulesen. Hier gehe ich nur auf die Signalstellen C/D/E kurz ein. Der Bergfahrt wird an diesen drei Stellen die Annäherung von Talfahrern (Ausnahme von Kleinfahrzeugen) angezeigt.

Signalstelle C “Betteck“ km 553,61
Signalstelle D gegenüber der Loreley km 554,34
Signalstelle E „An der Bank“ km 555,43

Was unverständlich ist

Alle Schiffsführer und Steuerleute, die Ihre Schiffe durch die Passage fahren sind Profis. Die Einführung des AIS (praktisch ein Radar was um die Ecke gucken kann) hat viel Sicherheit bebracht. Trotzdem und insbesondere nach der schweren Havarie der “Waldhof” könnte man den Streckenabschnitt noch sicherer machen. Dazu reicht ein Blick zu unseren niederländischen Freunden, die wesentlich mehr für die Schifffahrt tun. Dort finden wir Fahrwassertonnen, die freundlich blinken und funkeln und manchmal auf blitzen. Und das auf deutlich leichteren Terrain! Die Investition in solche beleuchteten Fahrwassertonnen ist überschaubar und leicht zu bewerkstelligen, denn diese Tonnen müssen nicht erfunden werden, sie gibt es schon.

Liebe Entscheider von der GDWS und vom Verkehrsministerium. Fahrt mal in dunkler Nacht ohne Vollmond mit durch den Streckenabschnitt. Das müsst Ihr mal erlebt, gesehen und gefühlt haben. Ich wette ein paar Tage später würden die vorhandenen Fahrwassertonnen gegen blinkende getauscht werden.

Nachfolgend ein paar Bilder, die Christian Zaloudek im Dezember 2021 gemacht hat und die Situation gut zeigen.

am Ende fallen wir in ein schwarzes Loch!

geschafft, es werde wieder Licht in St. Goarshausen
nachts in der Talfahrt durch die Gebirgsstrecke
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