Mit der Yacht über den Rhein ‘Tipps und Hinweise’

Die einen zieht es auf den Strom, weil es gilt eine Yacht vom Seegebiet zum Winterlager “Binnen” zu holen, die anderen, weil der Rhein als Etappe für eine Überführung (z.B. ins Mittelmeer) herhalten muss oder aber, weil der Rhein und seine Nebenflüsse das angestammte Fahrtgebiet sind und man dort sein Schiff liegen hat.

Dabei reden wir von den unterschiedlichsten Bootstypen. Von einem trailerbaren Motorboot bis hin zu einer ausgewachsenen Motor- oder Segelyacht. Segelyacht? Ja richtig, gesegelt wir auf dem Rhein ebenfalls. Nachfolgend möchte ich insbesondere den Revierneulingen einige Hinweise und Tipps geben. Wie immer gilt: Eine gute Vorbereitung ist das Maß aller Dinge!

Der Rhein ist eine der Verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Seine Länge beträgt 1.233 km, wovon ca. 900 km für grosse Schiffe befahrbar sind.

 

Führerscheine/Patente:

Für Schiffe ab einer Schraubenleistung von mehr als 5 PS gilt eine Führerscheinpflicht. Für Sportboote bis 15 Meter reicht der amtliche Sportbootführerschein Binnen. Von 15-25 Meter (Lüa) ist das Sportpatent erforderlich, darüber hinaus das Kleine oder das Große Patent. Nachzulesen in der RheinpatentVO.

 

Funk an Bord:

Im Binnenfunk (UBI) dürfen nur Geräte eingesetzt werden die ATIS fähig sind. Mit einer Seefunkanlage darf auf dem Rhein nicht gefunkt werden!! Außnahme im Notfall, da gilt sicherlich der Spruch: Not kennt kein Gebot. Hat man eine Funkanlage an Bord, muss der Schiffsführer auch ein Sprechfunkzeugnis haben und eine entsprechende Frequenzzuteilungsurkunde muss mitgeführt werden. Auch muss das Handbuch Binnenschifffahrtsfunk mit an Bord sein. In diesem Handbuch sind alle Verkehrskreise und Kanäle der Revierzentralen aufgeführt.

 

Kontrollen:

Die Wasserschutzpolizeien der einzelnen Länder führen gerne auch mal beI der Sportschifffahrt eine Kontrolle durch. Dies dient in erster Linie auch Ihrer Sicherheit. 

 

Fahrwassertiefen/Pegel:

Für die meisten, die zum ersten mal auf dem Rhein unterwegs sind ein schwieriges, teilweise unverständliches Thema. Ich versuche mal Licht ins Dunkel zu bringen ohne beim Urknall anzufangen. Es gibt die Fahrrinnentiefe, auch Solltiefe genannt, die in der Fahrrinne bei gleichwertigem Wasserstand (GLW), die im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren für die Schifffahrt vorgehalten wird. Sie sind für bestimmte Streckenabschnitte festgelegt.

Lauterburg – Budenheim 2,1 m

Budenheim – St. Goar 1,9 m

St. Goar – Koblenz 2,1 m

Koblenz – Krefeld 2,5 m

Krefeld – Emmerich 2,8 m
Jetzt gibt es noch den s.g. GLW (gleichwertigen Wasserstand). Für bestimmte Bezugspegel festgelegt.

Hier einige Beispiele:

Pegel Mannheim: 1,55 m

Pegel Koblenz: 0,80 m

Pegel Duisburg: 2,25 m

Pegel Emmerich: 0,80
Nehmen wir mal an, dass am Pegel Emmerich ein aktueller Wasserstand von 1,98 m angezeigt wird. Nun rechnen wir:

Fahrrinnentiefe für den Bereich 2,80m

plus Pegelstand Emmerich       + 1,98m

= 4,78m

minus GLW für Emmerich       – 0,80m

minus Sicherheitszuschlag       – 0,50m (diesen Wert können Sie für sich selber festlegen)

Abladetiefe                                   = 3,48m (mit dieser Tiefe sollte es also in der Fahrrinne klappen)

 

 

Wo fahre ich aber jetzt?

Soweit, so gut. Jetzt wissen Sie zwar mit welcher Wassertiefe Sie in der Fahrrinne rechnen können. Aber wo ist die Fahrrinne? Der Rhein hat keine durchgehende Betonnung wie eine Seeschiffahrtsstraße, also keinen Tonnenstrich an dem Sie sich langhangeln können.

Am Niederrhein zum Beispiel ist die Fahrrinne 150m breit. Das tiefe Wasser ist, wenn es nicht durch Fahrwassertonnen anders gekennzeichnet ist auf einem geraden Flußabschnitt immer in der Flußmitte. In Kurven (Flußkrümmungen genannt) ist das tiefe Wasser im “Hang” (Außenkurve) und flach ist es im “Ort” (Innenkurve). Das ist bedingt durch die Trägheit des Wassers, was immer den langen Weg nimmt und mit der im Hang stärkeren Strömung auf natürliche Weise Segmente, Steine, Kies und Geröll am Grund mitnimmt. Durch Buhnen am Ufer wird versucht die “Strömung” dort zu halten, wo die Fahrrinne ist. Vielleicht bleiben Sie erstmal hinter einem beladenen Berufsschiff und machen sich so vertraut. Denn da wo DER fährt ist auch für Sie genug Wasser.

Nun gibt es Streckenabschnitte wo die Bergfahrt, der Talfahrt den Weg weisen darf. Dies geschieht mit einer s.g. Blauen Tafel, die jedes Schiff (außgenommen sind Kleinfahrzeuge) an der Steuerbordseite hat. Nachts ist es ein weißes Blinklicht. Der Bergfahrer versucht an diesen Streckenabschnitten immer auf der Kurveninnenseite zu fahren, da dort weniger Strömung ist. Wechselt er hierfür die Fahrwasserseite setzt er die Blaue Tafel und der entgegenkommende Talfahrer erwidert ebenso mit seiner Blauen Tafel, als Bestätigung. Mann spricht von Begegnung Steuerbord an Steuerbord. Gleichzeitig besteht für den Bergfahrer die Verpflichtung, der Talfahrt ausreichenden Raum zu lassen.

Kleinfahrzeuge sind zwar von dieser Regelung ausgenommen, sollten den “Seitenwechsel” aber mitmachen, da es sonst sehr eng werden kann. Nun gibt es aber auch Streckenabschnitte mit einer s.g. geregelten Begegnung, wo immer die Begegnung Backbord an Backbord gilt. Dies gilt von km 428,2 bis 540,1 und von Duisburg km 769,0 bis zur niederländischen Grenze bei km 857,0. Besonderheit Gebirgsstrecke: Hier gilt so zusagen absolutes Rechtsfahrgebot.

 

Brückenhöhen:

Fast alle Rheinbrücken haben von Straßburg bis Emmerich eine Durchfahrtshöhe von mindestens 9,10m, bezogen auf die Hochwassermarke II. Hinzu kommt die jeweilige Differenz zum Richtpegel. Die niedrigste uns bekannte Brücke ist die Südbrücke in Düsseldorf mit 8,61m.

Rechenbeispiel für Emmerich:

Brückenhöhe bezogen auf HW-II:     9,10 m

(+) Richtpegel Emmerich:               8,70 m

(-) aktueller Pegelstand:           z.B. 1,98 m = aktuelle Duchfahrtshöhe von 15,82 m

 

Geschwindigkeiten:

Je nach Streckenabschnitt und Wasserstand können Sie mit einer Fließgeschwindigkeit von 4-6 km/h rechnen. In der Gebirgsstrecke (Bingen – St.Goar) 6-10 km/h. Am Oberrhein 2-4 km/h. Dies sind natürlich nur grobe Schätzungen. An beiden Ufern finden Sie eine Kilometerangabe. Jeder volle Kilometer ist genannt, jeder halbe Kilometer mit einem schwarzen Kreuz auf weißem Grund und alle Hundert Meter mit einer Ziffer 1-9. So können Sie auf den ersten Metern Ihrer Reise schnelle eine exakte Geschwindigkeit über Grund ermitteln. Die zu Tal (mit der Strömung) fahrende Schiffahrt kann ganz schön schnell werden. Insbesondere leere Berufsschiffe kommen auf bis zu 30 km/h. Sie sollten sich also auf Ihrer Reise ruhig ab und zu mal umdrehen und beobachten was von hinten kommt.

Wie bereits beschrieben ist der Rhein eine stark befahrene Wasserstrasse. So ist gegenseitige Rücksicht unabdingbar. Schädlicher Sog- und Wellenschlag ist immer zu vermeiden. Gerade größere Motoryachten verursachen eine große Heckwelle, die am Ufer nachläuft. Es geht dabei nicht nur um einen Angler, die nasse Füsse kriegt, sondern auch um die Uferbefestigung. Auch entgegenkommende tief abgeladene Schiffe haben Probleme mit Ihrer Welle. Sie läuft durch die Gangbord und landet in den Wohn- oder Maschinenraum. Also: Fahren Sie entsprechend und kontrollieren Sie ihren Wellenschlag. Halten Sie sich nicht dran, dann wird Sie die über Handy oder Funk informierte WSP bei nächster Gelegenheit besuchen. Die Informationskette funktioniert bei der Berufsschifffahrt erstklassig. Glauben Sie es!

 

Sogwirkung, Toter Winkel:

Halten Sie Abstand! Insbesondere große, voll abgeladene, zu Berg fahrende Schiffe entwickeln einen enormen Sog, vom dem kleinere Yachten unvermittelt angezogen werden. Bitte beachten Sie auch, dass manche Berufsschiffe einen toten Winkel in der Vorausschau über den eigenen Bug haben.

 

Streckenkenntnisse, unsichtiges Wetter, Ankergeschirr…

Bitte machen Sie sich bereits vor Antritt der Fahrt mit der Strecke vertraut. Kleinfahrzeuge sind gemäß den Verkehrsvorschriften grundsätzlich ausweichpflichtig gegenüber Großfahrzeugen.

Bei unsichtigem Wetter haben wir auf dem Strom nichts verloren. Suchen Sie sich nach Möglichkeit rechtzeitig einen geeigneten Liegeplatz. Die Berufsschifffahrt sieht Sie zwar auf dem Radar, aber das nützt nicht, wenn Sie nicht sehen wo Sie hinfahren. Erreichen Sie keinen Hafen mehr, heißt es Ankern. Das gilt auch bei einem Maschinenausfall, mit dem Sie immer rechnen sollten. Spielen Sie dies Notrolle unbedingt mit Ihrer Crew durch. Auch Treibgut kann zu einer Manövrierunfähigkeit oder Behinderung führen. Hier ist schnelles Handeln erforderlich. Schnell raus aus dem Fahrwasser und den Anker schmeißen. Daher sollte Ihr Ankergeschirr ausreichend dimensioniert und immer klar zum Fallen sein. Nachdem Sie (hoffentlich) liegen können Sie die zuständige Revierzentrale um Hilfe bitten. Ebenfalls sollten Sie die übrige Schifffahrt auf Kanal 10 über Ihre missliche Lage aufmerksam machen, wenn Sie nicht außerhalb vom Fahrwasser liegen!

 

Kennzeichnungspflicht von Kleinfahrzeugen auf Bundeswasserstraßen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sein Fahrzeug zu kennzeichnen.

Im Binnenbereich regelt dies die Binnenschifffahrtsstraßenordnung (BSchStrO).

Kennzeichnungspflichtige Fahrzeuge sind alle Kleinfahrzeuge (<20m Länge) mit einer Motorleistung von mehr als 2,21 kW.

Ausgenommen sind:

– Ruderboote, Beiboote, die mit Muskelkraft bewegt werden.

– Segelboote ohne Motor bis zu einer Länge von 5,5m.

– Motorboote bis 2,21 kW.

Der Eigner einer Kleinfahrzeugs kann sich entscheiden, ob er ein amtliches Kennzeichen oder ein amtlich anerkanntes Kennzeichen beantragt und führt.
Amtliche Kennzeichen sind u.a.:

– Kennzeichen der Wasser- und Schifffahrtsämter (WSA).

– Binnenschiffsregistierung im Binnenschiffsregister.*
Amtlich anerkannte Kennzeichen sind:

– Internationaler Bootsschein (IBS) des DMYV, DSV oder ADAC.

– andere anerkannte Kennzeichen der verschiedenen Bundesländer.

Außnahme Wassermotorräder (Jetski): Diese müssen immer ein amtliches Kennzeichen tragen!

Die jeweiligen Kennzeichen müssen gut sichtbar an beiden Bug- oder Heckseiten oder am Spiegelheck angebracht sein. Die Buchstaben (lateinisch) und Ziffern (arabisch) müssen mindestens 10 cm hoch und dauerhaft in heller Farbe auf dunklem Grund oder dunkler Farbe auf hellem Grund angebracht sein. *Hinweis: Schiffe mit mehr als 10 m³ müssen im Schiffsregister eingetragen werden.

 

Fahrten von SY mit gelegtem Mast:

Bitte nehmen Sie sich Zeit bei der Befestigung des gelegten Mastes an Deck. Eine stabile Auflage und eine bestmögliche Verzurrung ist erforderlich, da es auf dem Rhein recht “ruppig” sein kann. Auch sollten Sie sich Gedanken über eine provisorische Beleuchtung machen.

 

Wir wünschen Ihnen nun eine sichere und erlebnisreiche Reise auf einem spannenden und landschaftlich vielseitigem Fluß, der Sie faszinieren und begeistern wird. Versprochen!

 

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