Revierinformationen Seychellen (Indischer Ozean)
-026

Geographie und Landschaft

Die Seychellen sind eine Gruppe von etwa 100 kleinen Inseln, die ungefähr 1.600 km östlich der kenianischen Küste (1.000 km nordöstlich von Madagaskar) im Indischen Ozean liegen. Man unterscheidet hierbei die zentrale Gruppe der inneren Seychellen von den übrigen Inseln, bei denen es sich überwiegend (wie bei den Malediven) um kleinere Eilande korallinen Ursprungs handelt. Unter den äußeren Seychellen nimmt lediglich Aldabra, das größte Atoll der Erde, eine Sonderstellung ein. Seine Zuordnung zu den Seychellen ist aber bei 1.000 km Distanz zu den inneren Inseln eher politischer Natur.

Die inneren Seychellen bestehen aus kontinentalem Granit, was bei Inseln inmitten eines Ozeans eine geologische Einzigartigkeit darstellt. Sie sind sozusagen Sägespäne der Kontinentaldrift, die zurückblieben, als sich Afrika von Asien trennte. Für den Reisenden äußert sich diese Besonderheit durch teilweise bizarre Formationen aus grauem bis rotem Granit, die Wetter und Gezeiten während Jahrmillionen geformt haben. Diese Felsformationen prägen unter anderem das Bild aller Strände der (Granit-) Inseln, die sich damit deutlich von ihren Konkurrenten in der Karibik oder der Südsee abheben können.

Die “großen” Seychellen-Inseln Mahé (ca. 150 qkm), Praslin (viel kleiner), Silhouette (noch kleiner) und La Digue (winzig) sind allesamt bergig, wobei vor allem Mahé und Silhouette gemessen an ihrer Größe hoch aufragen, nämlich 905 bzw. 621 m über dem Meer.

Die Strände der Seychellen gehören zu den schönsten der Welt, so daß selbst hartgesottene Reisejournalisten ins Schwärmen geraten. Von einem Reisemagazin wurde die Grande Anse auf La Digue zum schönsten Strand der Welt erklärt.

Die Sauberkeit der Natur (einschließlich der Strände) sucht, vor allem in Kombination mit ihrer guten Erreichbarkeit, in den Tropen weltweit ihresgleichen. In einer Umfrage eines namhaften deutschen Reisemagazins erhielt von 50 Reisezielen weltweit außer den Seychellen nur Neuseeland in dieser Kategorie die Bestnote “sehr gut” (1,0).

-012

Menschen

Die Bevölkerung der Seychellen (heute etwa 75.000, von denen die weitaus meisten auf Mahé leben) stammt vorwiegend von afrikanischen Sklaven ab. Durch Vermischung mit den ehemaligen weißen Kolonialherren aus Frankreich und England sowie asiatischen Sklaven und Zuwanderern ist bis heute jedoch ein Völkergemisch entstanden, das jede denkbare Schattierung von Hautfarbe enthält. Dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) gibt es auf den Seychellen kaum Rassenprobleme. Indische Zuwanderer hatten in erster Linie kulturellen Einfluß, denn sie vermischten sich kaum mit den übrigen Gruppen. Besonders der Einzelhandel wird heute zu einem großen Teil von Geschäftsleuten indischer Abstammung getragen. Insgesamt sind Kultur und Mentalität am deutlichsten von französischen und afrikanischen Einflüssen geprägt, während Bildungswesen und staatliche Organisation eher britischen Stil erkennen lassen.

Auf den Seychellen (auch offiziell) drei Sprachen gesprochen, nämlich Englisch, Französisch und Kreolisch.

Für unsere von deutschen Lauten nicht gerade verwöhnten Ohren klingt die kreolische Sprache sehr melodisch (irgendwie gemütlich) und spiegelt unüberhörbar den gelassen-fröhlichen Lebensstil der Seychellois wieder.

Touristen, die zumeist aus Frankreich, England oder Deutschland kommen, müssen ihre Erwartungen an jede Art beruflicher Motivation bei den Einheimischen deutlich korrigieren. Der Gedanke, irgendetwas müsse dringend oder gar sofort erledigt werden, ist einem Seychellois nämlich vollkommen fremd. Wenn man seine eigene Haltung entsprechend anpaßt, kann diese Lebensweise sehr entspannend sein. Freundlich und aufgeschlossen gegenüber Fremden sind die Menschen aber allemal.

-021

Geschichte

Die Seychellen waren arabischen Seefahrern vermutlich schon seit Jahrtausenden bekannt, bevor sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen “entdeckt” wurden. Zunächst dienten sie allerdings in erster Linie den berüchtigten Piraten der Region als Unterschlupf. Die erste überlieferte Beschreibung der Seychellen durch einen Europäer stammt aus dem Jahr 1609. Sie wurde von einem Briten verfaßt, der an Bord eines (verirrten) Schiffes der East India Company dorthin gelangt war. Trotz der Begeisterung über den natürlichen Reichtum der Inseln, die aus seinem Bericht sprach (“an earthly paradise”), gerieten die Seychellen für über hundert Jahre wieder in Vergessenheit.

Erst im 18. Jahrhundert begann sich Frankreich für die Inseln zu interessieren und ließ sie 1742 durch einen Seefahrer namens Lazare Picault erkunden. Dieser verlieh der größten Insel später den Namen seines Auftraggebers, des französischen Gouverneurs von Mauritius Bertrand Francois Mahé de Labourdonnais. (De Séchelles war übrigens der Name eines französischen Finanzministers unter Ludwig XV.) Picault war von der überschäumenden Natur der Inseln derart begeistert, daß er Mahé zunächst “Insel des Überflusses” (Ile d’Abondance) getauft hatte. Die inneren Seychellen waren damals noch von einem Urwald aus gewaltigen Baumriesen bedeckt und von zahlreichen Riesenschildkröten besiedelt, die den Seefahrern später (leider) als lebender Proviant dienten.

Der Raubbau an den natürlichen Ressourcen führte bald nach der ersten Besiedelung der Inseln (1770) zur Ausrottung verschiedener Tropenhölzer sowie der heimischen Riesenschildkröten. (Heute auf den Seychellen lebende Exemplare stammen von Aldabra.) Über die Ausrottung der riesigen Krokodile, die ursprünglich in den Flüssen lebten, werden heutige Touristen allerdings geteilter Meinung sein. Jedenfalls war das Leben auf den Inseln zur damaligen Zeit hart, zumal der steinige und steile Untergrund keine nennenswerte Landwirtschaft außer der Produktion von Kokosnüssen und Gewürzen (vor allem Vanille) zuließ. Dies machte die Bevölkerung abhängig von den jeweiligen Exportmöglichkeiten.

Nach langen Streitigkeiten übernahm schließlich England zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Herrschaft über die Seychellen. Daran sollte sich bis zur Unabhängigkeit 1976 nichts mehr ändern.

-023

Währung und Sonstiges

Das Land hat eine recht stabile Währung, die Seychellen-Rupie. 1,-€ entspricht ca. 5 Rupien. Da das Gros der Devisen aus Europa kommt, ist die Kopplung des Wechselkurses an den US-Dollar relativ gering. In einigen Restaurant kann man mittlerweile auch mit Kreditkarte zahlen. ACHTUNG: Der Zwangsumtausch wurde abgeschafft (Stand 3/2011)!!!

Auf der Hauptinsel Mahé liegt mit Victoria (25.000 Einwohner) die einzige Stadt des Landes, die damit logischerweise auch Hauptstadt ist. (Victoria gilt als kleinste Hauptstadt der Welt!) Auch wenn es in Victoria sogar eine regelrechte “rush hour” mit echten Verkehrsstaus gibt, geht es dort insgesamt (nach westlichen Maßstäben) sehr gemütlich zu. Der Kolonialstil der meisten Bauten und die Lebensart der Seychellois verleihen der Stadt einen eigenen Charme, und trotz ihrer Kleinheit und der relativ beschränkten Einkaufsmöglichkeiten ist es für den Besucher durchaus interessant, sich dort einmal genauer umzusehen. Der Rest des Landes fällt gegenüber Victoria entwicklungsmäßig stark ab, und schon im Süden der nur 27 km langen Hauptinsel beginnt man unwillkürlich, über Victoria als Metropole zu denken.

Klima

Durch ihre Lage 4° südlich des Äquators ist für den Reisenden auf den Seychellen vor allem die Sonneneinstrahlung ein Problem, denn die UV-Intensität ist hier etwa drei- bis viermal so hoch wie im deutschen Hochsommer. (Rund um den Äquator existiert ein breiter Gürtel, in dem die Ozonschicht von Natur aus dünner ist.) Die Sonne geht jeden Tag etwa um 6:30 Uhr auf und um 18:30 unter, wobei die Dämmerung nur etwa 30 Minuten dauert. Die Luftfeuchtigkeit beträgt meist 75-85%, und es herrscht das für die inneren Tropen typische Tagesklima, d.h. es gibt kaum jahreszeitliche Schwankungen.

Die Temperaturen bewegen sich in einem sehr engen Rahmen: Die niedrigste jemals auf den Seychellen gemessene Temperatur betrug 19,8°C, die höchste 34°C. Man kann tagsüber meist mit 27-30°C rechnen, nachts mit 24-26°C, d.h. es wird selten sehr heiß, kühlt aber auch nachts kaum ab. Die Luft ist oft außergewöhnlich klar (kaum Staub oder Abgase im Umkreis von 1.600 km), so daß man in manchen Nächten phänomenale Sternenhimmel bewundern kann. Die Wassertemperaturen liegen gleichmäßig bei 26-29°C, wobei in besonders flachen Lagunen gelegentlich auch regelrechte Badewannen-Temperaturen erreicht werden.

Essen und Trinken

-004

Wer gut essen will, wird nicht enttäuscht. Vor allem Fischgerichte kann man in faszinierender Vielfalt genießen. Da Fleisch (außer Hühnerfleisch) importiert werden muß, sollte man darauf verzichten. Die Speisekarte wird von Curry-Zubereitungen dominiert, die auf den Seychellen (wie im Ursprungsland Indien) eine Wissenschaft für sich sind. Beim Essen kann sich das Preis-Leistungs-Verhältnis durchaus sehen lassen, wenngleich es vielerorts kaum möglich ist, billig essen zu gehen. Das “einheimische” Bier heißt SeyBrew, wird von einem Deutschen gebraut und ist (nicht zuletzt wegen des weichen Wassers) recht gut.

Da Sie in vielen Buchten keine Restaurants finden, müssen Sie während Ihres Törns mehrfach an Bord kochen. Haben Sie einen Smutje in Ihrer Crew, der Sie mit kulinarischen Köstlichkeiten versorgt?

Impfungen

Ein sehr großes Plus der Seychellen als Reiseland ist, daß sie praktisch frei von den gefürchteten Tropenkrankheiten sind. Spezielle Impfungen, wie sie für Reisen in viele andere tropische Länder notwendig werden, entfallen. (Sicherheitshalber sollte man den neuesten Stand rechtzeitig vor Reiseantritt bei einem kundigen Arzt oder beim tropenmedizinischen Institut in Hamburg erfragen.) Sicher ist, daß es nur wenige Orte auf der Welt gibt, an denen man eine so wenig verdorbene tropische Umwelt mit so geringen gesundheitlichen Risiken genießen kann.

Für uns Segler wichtig

Man unterscheidet die Zeit des Südost- von der des Nordwestmonsuns. In ersterer (Juni bis Oktober) ist der Wind stetiger, die Luftfeuchtigkeit niedriger, und es regnet etwas weniger. Von November bis April im Nordwestmonsum ist es oft schwachwindig und regenintensiver. Diese Zeit wird insbesondere von Tauchern bevorzugt, da das Meer nicht so aufgewühlt ist, wie im windreichen Südostmonsum.

Liegeplätze

In diesem Traumrevier wird eigentlich immer geankert. Je nach Reisezeit bieten sich dazu nur die Leebuchten der einzelnen Inseln an. So reduziert sich die Zahl der geschützten Buchten. Bleibt man in dem Gürtel der Inneren Seychelleninseln, kann es vorkommen, dass man zum Übernachten in eine bereits bekannt Bucht zurückkehrt, denn es gibt kam etwas Schlimmeres, als in einer Bucht die Nacht zu verbringen in der Schwell läuft. Dies gilt natürlich insbesondere für Monohulhs. Mit einem ruhiger liegenden breiten Cat hat man es da schon leichter.

Am Stützpunkt Mahé, in der Bucht St. Anne auf Praslin und auf La Dique (am Fähranleger) gibt es Trinkwasser am Steg. Mehr Stellen zum Auffüllen der Tanks gibt es nicht. Alleine deshalb kommt man gerne zu den genannten Orten zurück, was auch nicht schlimm ist, denn insbesondere La Dique ist ein echtes Highlight. Außerdem gibt es hier gute Versorgungsmöglichkeiten. Ein „grösserer“, klimatisierter Supermarkt, nette Familienrestaurants, eine Post und Polizeistation, ein kleines Krankenhaus und einen Fahrradverleih.