Törnvorschlag ‚Kleine Antillen‘ ab Martinique

KaribikkarteNachfolgend möchten wir Ihnen einige schöne Stellen zwischen Martinique und Union aufzeigen und versuchen Ihnen das karibische Feeling durch einen unserer Törnberichte zu vermitteln.

Unser Ausgangshafen, die Marina Le Marin, rund 30 Minuten vom Flughafen entfernt, liegt an der Südküste von Martinique. Gut geschützt in einer weiten Bucht, mit allen nötigen Versorgungsmöglichkeiten, liegt die grösste Charterflotte der gesamten Karibik.

Nach der Proviantierung, die aufgrund des auch auf Martinique gültigen Euro’s problemlos möglich ist, ging es nun endlich raus auf’s Wasser. Die Riffdurchfahrt ist nicht ganz leicht, und man muss schon ein wenig Sorgfalt walten lassen, die Fahrwasserbetonnung zu finden und was viel wichtiger ist, zu erkennen, daß diese ‘verkehrt’ liegen. Von See kommend ist in der Karibik die Steuerbordseite rot und die Backbordseite grün gekennzeichnet (Lateralsystem -B-).

In der Ankerbucht St. Anne treffen wir uns zum ersten ‘Sundowner’. Das 28 Grad warme, türkisfarbende Wasser läd zum Sprung ein. Die Anreisestrapazen sind bei allen wie weggeblasen.

Am nächsten Morgen starten wir zur ersten grossen Überfahrt nach St. Lucia. Die Atlantikwelle aus Ost, dabei Halbwindkurs bei 4-6 bft., Sonne satt… was braucht man mehr. Zügig mit 7-8 Knoten donnern wir nach Süden. An der Leeküste von St. Lucia geht es bis zur Marigot Bay, sicherlich eine der schönsten Buchten in der gesamten Karibik. Ein echtes und natürlich entstandendes Hurrikanhole, eingebettet in der wunderschönen Landschaft mit Regenwald, Mangroven und und und. Ganz am Ende finden wir bei JJ’s einen geschützen Platz an der Pier. JJ’s betreibt ein wirklich nettes Restaurant mit leckeren typisch kreolische Speisen, Livemusik. Eine Limbotanzgruppe, dazu reichlich karibische Drinks bringen uns in Verzückung und nicht nur der angrenzende Swimmingpool wird von Minute zu Minute voller. Es war ein wunderschöner Abend, der uns allen auf die ein oder andere Weise noch lange in Erinnerung bleiben wird. Am nächsten Morgen laufen wir mit dem ersten Licht um 05:00 Uhr aus. Vor uns liegt der längste Segelschlag mit 68 Seemeilen. Vorbei an den Pitons, den Wahrzeichen von St. Lucia. Erhaben ragen die beiden Vulkankegel hervor. Ein toller Anblick.

Die grosse Überfahrt steht an. Zwischen den Inseln St. Lucia und St. Vincent liegen rund 25 sm bei einer von Afrika kommenden, ungebremsten Welle. Bei Halbwind, sogar ein wenig Raum ein Heiden…sorry, ein ‘Niederrheinerspaß’. Weiter an der Leeküste St. Vincent mit seiner schroffen Felsformation. Der Regenwald erstreckt sich  bis zur Küstenlinie.

Nonstop segeln wir nach Bequia in die Admiralty Bay, auch Port Elisabeth genannt. In dieser grossen weiten und gut geschützten Bucht liegen viele Mooringtonnen. Nicht alle diese Tonnen sind legal ausgebracht und von der Hafenbehörde genehmigt. Wenn Sie sich für eine solche ‘private’ Tonne entscheiden, die ca. 25,-US Dollar pro Nacht kostet (der Besitzer kommt mit dem Beiboot vorbei zum kassieren), dann tauchen Sie die Mooring ab und kontrollieren Sie Fundament und Tauwerk. In der Stadt können Sie sehr gut, aber leider auch zu sehr hohen Preisen einkaufen. Ein Vergleich in den Geschäften lohnt. Einheimische zahlen weniger als Touristen. Versuchen Sie zu handeln.

Am nächsten Morgen verlassen wir Bequia recht spät, denn nach der langen Vortagsetappe wollen wir relaxen. Am Abend vorher hatte der Zoll schon geschlossen, so daß die Skipper heute schon eine Aufgabe hatten. Einklarieren war angesagt. Nach ca. 15 Minuten war alles erledigt. So trafen wir uns in der Bar ‘Central’ auf einen kühlenden Drink.

Um 13:00 Uhr legen wir ab und segeln bei  3-4 bft. hoch am Wind zur Insel Mustique. Zwei Holeschläge müssen dann doch noch sein. Vorsicht beim Einlaufen in die Britannia Bay, hier liegt die Untiefe ‘Montezuma Shoal’. In der Bucht liegt man gut geschützt an einer Mooringtonne. Mustique ist im Privatbesitz einiger bekannten Persönlichkeiten u.a. Mick Jagger, David Bowie und ist traumhaft schön. Am Strand liegt Basils Bar, ein mit Stroh gedecktes Restaurant/Bar. Sehr teuer, aber ein Muss! Bestellen Sie sich einen ‘Wallbanger’ und genießen Sie das Leben und die Aussicht beim Sonnenuntergang. Er wird für immer in Erinnerung bleiben.

Auf Mustique können Sie mit Pferden reiten, sich einen Wagen mit oder ohne Fahrer mieten oder einfach nur spazieren gehen. Da es für die Einheimischen ein Privileg ist, hier zu wohnen und leben zu dürfen, brauchen Sie auch keine Bedenken zu haben. Fahren Sie wie wir über die Insel und lassen Sie die Augen über die unglaublichen Anwesen der Reichen + Schönen schweifen. An der Luvküste einen Zwischenstopp an der Macaroni Bay. Ein traumhafter, einsamer Badestrand mit Brandung. Aber Vorsicht beim Bad, die Strömung und Brandung sind sehr stark.

Weiter geht es in die Tobago Cays. Eine unbewohnte Inselgruppe und eines der Highlights der Karibik. Die Einfahrt in das Riff erfordert erhöhte Aufmerksamkeit bei der Navigation, sonst brummt man schnell auf die nur knapp unter der Oberfläche liegenden Felsen, die sich ca. 1-2 Seemeilen vor der eigentlichen Inselgruppe der Tobago Cays befinden. So beträgt die Mißweisung in der Karibik satte 13 Grad!! Wer also hier nicht vernünftigt mitkoppelt bekommt ein Problem. An der Riffeinfahrt warten schon die ‘fliegenden Händler’, um Ihre Dienste anzubieten. Nach Sonnenuntergang sind sie aber alle verschwunden und Ruhe kehrt ein.

Auf unglaublich türkisfarbenen 2,5 Meter Wassertiefe ankert man unmittelbar vor dem Aussenriff mit Blick Richtung Afrika. Die Welle bricht sich dort tösend und beim Blick in den unvergleichbaren Sternenhimmel fühlt man sich wie ein Weltumsegler. Beim Schwimmen in den frühen noch ruhigen Morgenstunden sehen wir einen grossen Rochen sowie einen Zitronenhai.

Die Hälfte unserer Reise ist vorbei. Heute Abend soll unser Bergfest auf Union Island stattfinden. Bei ‘Lambi’ haben wir über Sarres-Schockemöhle Liegeplätze und ein Büffet mit Livemusik, einer echten Steelband organisieren lassen. So treffen wir gegen 15:00 Uhr in Clifton Harbour ein. In der Einfahrt erwartet uns schon ‘Hermann’, ein Helfer von Lambi, der uns mit seinem Boot zu den Liegepläzten leitet und beim Festmachen hilft. Toller Service, auch wenn gerade ihm die so hoch gelobte karibische Ruhe fehlt. Die Liveband hämmerte auf ihren Ölfässern mehr als 4 Stunden und die Stimmung hätte nicht besser sein können.

Am nächsten Morgen haben wir Jutta aus Berlin einen Besuch abgestattet. Sie hat auf Union unweit von Lambi ein Geschäft. Sie entwirft und verkauft in Ihrem ‘Castello’ u.a. selbstgemalte T-Shirts und Bilder, Arm- und Halsbänder, Ketten, Hüte, Kleider… Das Besondere aber ist die Art und der Aufbau Ihres ‘Castello’. Ein Naturgarten mit tropischen Pflanzen und Tieren und zwei Bars zum Ausspannen. Einkaufen macht durstig! Ein Besuch bei Jutta lohnt immer. (Update 1/2014: Leider ist Jutta verstorben, doch die Tochter möchte das „Castello“ weiterbetreiben). Zurück bei Lambi haben wir nochmal kräftig eingekauft. Hier gibt es alles. Diesel, Gas, Wasser. Außerdem hat Lambi einen eigenen Supermarkt.

Wir verlassen Union Island und gehen auf Kurs Nord. Langsam wollen, was heißt hier wollen? Wir müssen zurück Richtung Martinique. Weitere sieben feine Tage mit tollen Erlebnissen liegen noch vor uns.

Wir stoppen nach wenigen Meilen in der Salt Whistle Bay an der Nordspitze der Insel Mayreau. Ein wunderschöner Sandstrand, so wie man ihn sich karibischer nicht vorstellen kann. Treffen am Nachmittag zu einer Strandolympiade. Tauziehen, Tauwurf, Wettschwimmen mit Fender stehen auf dem Programm. Wir genießen den Sonnenuntergang bei einem Drink im Wasser, und durch einen heimischen Fischer bestellen wir frisch gefangenen Baracuda und einen Zitronenhai als Abendessen.

Erneut lautet unser Ziel Mustique. Es gefällt uns hier einfach so gut, dass vier von fünf Yachten beschließen hier einen Hafentag einzulegen. So haben wir Zeit zum Schwimmen, Schnorcheln, Spazieren gehen… Und zum Sundowner natürlich bei einem Wallbanger in Basils Bar. Aber das, lieber Leser, haben Sie sich sicherlich schon gedacht (schmunzel)!

Alternativ zu Mustique kann man auch schön in der Friendship Bay an der Südküste Bequia ankern. Hier befindet sich eine Tauchschule, ein Hotel sowie ein schönes Restaurant am Strand. Durch den einlaufenden Schwell (je nach Windrichtung) nicht immer ruhig. Für diejenigen, die die Grenadines (man hätte auch schreiben können “die, die die”, was mir persönlich auch gut gefällt) nun verlassen und nicht nach St. Vincent laufen, heißt es ausklarieren. Dies geht jedoch nur in der Admiralty Bay! Vom Friendship Bay Hotel mit dem Taxi möglich. So spart man sich die Fahrt mit der Yacht! Für uns heißt es aber auf nach St. Vincent in die Blue Lagoon an der Südspitze der Insel. Weitere Klarierungsstellen auf St. Vincent sind: Barrouallie und Wallilabou. In der Bucht Wallilabou sind noch die Kulissenreste aus ‘Fluch der Karibik“ zu sehen. Eine tolle Bucht!

Da sonntags keine Behördenvertretung in der Marina ist, fahren die Skipper mit dem Taxi zum Flughafen zum Ein- und Ausklarieren. Die Blue Lagoon ist eine geschütze Bucht mit einem umlaufenden Aussenriff. Bei Niedrigwasser beträgt die Wassertiefe in der einzigen betonnten Riffdurchfahrt nur 1,70 Meter! Tiefgehende Yachten müssen also bis zur Flut warten. In der Marina liegt man am Steg. Wasser, Strom, Restaurant, Supermarkt.

Morgens passiert es dann, Vera kommt mit Ihren 1,90 m Tiefgang nicht durch die Durchfahrt. Also zwei Stunden Zwangspause. Warum bin ich dann um 05:30 Uhr aufgestanden fragt sie sich. Die anderen kommen durch (mein Cat hat nur 1,10m) und es geht entlang der Leeküste 65 sm bis zur Nordspitze St. Lucia. Rodney Bay Marina heißt das Ziel. Hier bleiben wir den ganzen nächsten Tag für eine Inselrundfahrt. Tropischer Regenwald, Vulkanbesuch, ein tolles Erlebnis.

Mal wieder Ein-/Ausklarieren und wir starten zum letzten Schlag zurück nach Martinique. 23 Seemeilen hoch am Wind. Die Welle ist moderat, und mit Reff 2 im Groß schießt unser Cat mit 7,3 Knoten über Grund durch das azurblaue Wasser. Rauschefahrt, Wehmut, die Leichtigkeit des Seins, Segeln ist ja soooo schön. Zum Badestop ankern wir nochmal in der Bucht St. Anne und motoren dann die Riffdurchfahrt zurück nach Le Marin. Kurz an die Bunkerstation und back am heimischen Steg.

Das Ende zweier wunderschöner Wochen, voller Eindrücke und Erlebnisse, die noch lange lange nachwirken werden. Ich persönlich war schon mehrfach hier und werde wiederkommen. Die ‘Kleinen Antillen’ sind eben die ursprüngliche Karibik. Easy going, karibische Leichtigkeit. Auch bei dieser Reise verkneifen wir  uns beim Verlassen der Yachten die ein oder andere Träne. Es war traumhaft schön. Allen Teilnehmern/Beteiligten erneut herzlichen Dank.  Christian Zaloudek

 

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