Törnbericht Golf von Neapel

Italienkarte„Ram(b)azzotti“

so lautete der Schlachtruf, unter den der „Hochseesegelclub Niederrhein 1999“ (HSSC) seinen diesjährigen Clubtörn gestellt hat.

Der HSSC, ein Segelclub wurde durch Segelbekanntschaften aus einer „Bierlaune“ heraus gegründet. Zielsetzung ist, die Kontakte von Seglern zueinander zu fördern, um so dem einzelnen mehr Möglichkeiten zu bieten, „seglerisch aktiv“ zu werden.

Mindestens einmal jährlich findet  seither ein Clubtörn in wechselnden Revieren statt, wobei die Clubevents neben diesen Urlaubstörns mittlerweile auch Tagesausflüge, Skippertrainings, Segelausbildungen und Seminare zu verschiedenen Themen umfassen.

Die Entscheidung für das Segelrevier des Clubtörns fällt auf der jährlichen Hauptversammlung. So wurden bisher u.a. Kroatien, Griechenland, Spanien oder auch weiter entfernte Ziele wie die Kleinen Antillen in der Karibik oder die Seychellen gekürt. Der 1. Platz für dieses Jahr ging an den Golf von Neapel, Italien.

Sechs Schiffe mit insgesamt 43 Mann/Frau Besatzung stachen dann am 14.06. in Richtung des ersten Etappenziels ‚Ischia‘ in See. Weitere Tagesziele waren u.a. die Inseln Ventotene, Procida und Capri. Letztere entgegen unserer Erwartungen trotz ihres Bekanntheitsgrades noch eine Reise wert – zumindest zu Wasser. Eine Reise wert waren auch die Ankerbucht vor Ischia, unser  Liegeplatz auf Ventotene, das Bier, der Wein, der Müßiggang, das Schwimmen im wohltemperierten Wasser, die Gespräche, das Sonnen, das nächtliche Zusammensitzen an der Pier, die Wasserbomben-Schlachten, die Antipasti-Teller und natürlich nicht zuletzt das Segeln zwischen Festland und den Inseln des Tyrrhenischen Meers.

Die Anreise

Nach einem ruhigen und problemlosen Flug mit der “Billigfluggesellschaft” Hapag Lloyd Express landeten wir gegen 16:00 Uhr in Neapel. Der organisierte Transfer funktionierte reibungslos und dauert nur ca. 10 – 20 Minuten je nach Verkehrsaufkommen. Apropos Verkehr: Eine Strasse als Fußgänger zu überqueren ist selbst im Beisein von Polizeibeamten ein Abenteuer. Schnelle Augen und schnelle Füsse sind hier die einzige Lebensversicherung.

Der erste Tag

Unsere Startmarina Santa Lucia ist eine alte Festungsanlage mit entsprechendem Charme. Eng geht es hier zu, typisch italienisch laut, aber das macht gerade die Abende am Mittelmeer aus. Viele Restaurants und Cafes laden ein. Bevor wir uns in den Trubel stürzten, galt es wie immer die Yachten zu übernehmen, die Taschen auszupacken und sich halbwegs zu aklimatisieren. Dank des Einsatzes und der Bemühungen vom Stützpunktpersonal stand einer zügigen Übernahme nichts im Weg. Dass einige Yachten extra wegen uns noch aus Nachbarhäfen zur Marina Santa Lucia überführt wurden, lag an der allgemeinen Liegeplatzsituation in Italien und war zu verkraften. Aber zugegeben: Für einige zart beseitete Nordeuropäer hält die italienische Mentalität sicherlich einige Überraschungen bereit. “Take it easy” oder “easy going” ist hier angesagt, vergleichbar mit der Karibik. Nun war es aber an der Zeit, die Clubfahrt offiziell zu eröffnen. Mit zuvor bestelltem Wein vom heimischen Winzer, trafen wir uns zwanglos an der Pier und plauderten über die ersten Erlebnisse.

Der zweite Tag

Nach einem kurzen Frühstück und einer ebenso kurzen Skipperbesprechung ging es los. Als Tagesziel hatten wir uns die Insel Ischia ausgesucht. Dunst und Temperaturen von 33°C, dazu so gut wie kein Wind. Das fing ja toll an! Selbst der Blick auf den Vesuv war uns nicht gegönnt, aber es gab Luft zum atmen, denn in der Marina war es um vieles drückender. So liefen wir unter Maschine durch den Golf von Neapel. Nach etwa 8 Meilen kam Wind auf und es lohnte sich, die Segel zu setzen. Zwischen den Inseln Ischia und Procida ging sogar eine schöne Düse. Wir waren versöhnt und der Urlaub konnte jetzt so richtig beginnen.

Die Marina Poro d Ischia haben wir “links liegengelassen”, denn hier geht es sehr eng zu. Einlaufende Fähren machen diesen Hafen nicht gerade zu einem Highlight. Steuerbord der Hafeneinfahrt fanden wir eine schöne geschütze Ankerbucht, die uns zu dem ersten Sprung ins warme Wasser verhelfen sollte. Kurze Mitteilung an die andern über Kanal 72 und so waren wir bald wieder komplett.

Als Liegeplatz für die Nacht hatten wir uns die Marina Casamicciola an der Nordküste ausgesucht. Die für italienische Verhältnisse grosse Marina ist von See kommend durch die lange Hafenmole gut zu erkennen. Die Steuerbordpier ist den Fähren vorbehalten.

Die Yachten liegen mit dem Heck an der Promenade, ganz an der Südseite. Murings, Strom- und Wasseranschlüsse, ein Hafenmeister, der die Yachten einzeln mit dem Beiboot in die Liegeplätze einweißt. Die Sanitäreinrichtungen sind typisch, zwei Toiletten und zwei Duschen, das wars, aber bei dem warmen und sonnigen Wetter ist die Heckdusche oder direkt der Wasserschlauch sowieso die bessere und effektivere Lösung. Die Liegegebühren lagen für eine 41 Fuß Yacht bei 45,-EUR. Der Ort bietet sehr gute Versorgungsmöglichkeiten, Supermarkt, Bäcker, Metzgerei.. einfach alles! Eine wirklich zu empfehlende Alternative zum überfüllten Hafen Porto d Ischia.

Wissenswertes zu Ischia

Die 46 qkm grosse Insel mit 44.000 Einwohnern war einst die erste griechische Kolonie Europas. Durch den vulkanischen Ursprung der Insel ist Ischia besonders bekannt für die Heilsamkeit des Thermalwassers.

Der dritte Tag

Bei wieder strahlendem Sonnenschein ließen es die meisten heute ruhig angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück noch kurz ins Dorf zum Einkauf. Tagesziel war die zur pontinischen Inselgruppe zählende Insel Ventotene. Leichter aber beständiger Wind brachte uns voran. Unterwegs gab es noch eine Wasserbombenschlacht zu überstehen, aber dann war der Weg nach Ventotene endgültig frei und nichts konnte uns mehr aufhalten.

Unmittelbar vor der Ostküste liegt die Gefängnisinsel St. Stefano. Unweigerlich denkt man an das Buch oder den Film Papilon oder an Alcatraz. Südlich des alten Römerhafens Ventotene kann man gut Ankern. Mit dem Beiboot habe wir die Höhlen und Buchten erkundet. Tuffstein heißt das Mineral aus dem die Inseln sind. Vulkanischen Ursprungs hat dieser Fels schon den Römern zum Bau von Gebäuden gedient. Das Material läßt sich leicht abbauen und bearbeiten. So ist der alte Römerhafen von Hand in den Fels getrieben worden.

Hier auf Ventotene, abseits der Touristenrouten ist die Zeit stehengeblieben. Wir hatten uns für das nördliche Hafenbecken entschieden. Durch eine neue grosse Betonmole gut geschützt, liegt man am besten und zugleich am schönsten, wenn man bis zum Ende durchfährt. Erst dann erkennt man eine kleine Bucht innerhalb des Hafenbeckens. Hier ist, unmittelbar am Strand, ein neuer Schwimmsteg entstanden an dem man perfekt übernachten kann. Ein Fußweg führt in den kleinen Ort und in den alten Römerhafen. Hier ist ein Spaziergang Pflicht, ebenso wie der Sprung ins klare Wasser am Steg.

Wissenswertes zu Ventotene

Auch das Rom des Meeres genannt. Die ca. 1qkm große Insel mit nur 600 Einwohnern scheint eine einzigartige römische Magie zu besitzen, die dem Besuchern sofort ins Auge sticht. Römische Vergangenheit, die man selbst in Rom heute nicht mehr verspürt. Der Hafen, indem heute die Yachten anlegen, ist unverändert wie vor 2000 Jahren als hier die Römer mit Ihren Ruderschiffen anlegten. Auch die heutigen Geschäfte sind in den eingeschlagenen Höhlen der Hafenmole untergebracht.

Der vierte Tag

Bei der Skipperbesprechung entscheiden wir uns, nicht zur Insel Ponza zu segeln, sondern wieder den Rückzug nach Süden anzutreten, damit auch die Insel Capri in den Törn eingebaut werden kann. Außerdem läßt der schwache Wind keine weiten Etappen zu, denn wir wollten auf jeden Fall einen langen “Motortag” verhindern.

Wissenswertes zu Ponza

Die mit 7 qkm Größte dieser Inselgruppe bietet durch die längliche Form eine beachtliche Küstenlinie mit insgesamt 41 km Länge. Hinzu kommen viele kleine vorgelagerte Inseln. Also Ruhe, Entspannung und Buchten, Buchten, Buchten.

Als Tagesziel fällt die Entscheidung für den Hafen/Ankerplatz St. Angelo an der Südküste der Insel Ischia. Der mit Sicherheit charakteristischste Hafen von Ischia liegt sehr idyllisch und ruhig, da hier im Gegensatz zu Porto dIschia und Casamicciloa keine Fährverbindungen sind. In dem kleinen Hafen gibt es nur sehr wenige Gastliegeplätze, aber unmittelbar vor dem Hafen kann man am Strand sehr gut ankern und zum Einkauf und Stadtbummel mit dem Beiboot in die Marina fahren.

Der fünfte Tag

Heute ging es endlich nach Capri! Unsere “Altherrentruppe” mit Schifferklavier und stimmgewaltigen Kehlen hatten schon seit Tagen den berühmten Text “…wenn vor Capri die rote Sonne im Meer versingt…” geübt. Selbst an diesem Morgen, als sie als erste Yacht ankerauf gingen, hörte man sie spielen und singen. Ob Capri hält was es verspricht? Wir sollten es erleben.

Wissenswertes zu Capri

Auch die Königin des Mittelmeers genant, ist Capri vielleicht die bekannteste aber mit Sicherheit eine der schönsten Inseln. Eine Insel aus Kalkfelsen, mit steilen Dolomitwänden, bezaubernden Grotten und vorgelagerten Klippen in phantastischen Formen. Im Gegensatz zu den anderen Inseln hat Capri keinen vulkanischen Ursprung. Durch Erdbewegungen wurde dieser 11 qkm grosse Felsteil vor langer Zeit vom Festland abgetrennt.

Der einzige Hafen der Insel, die Marina Grande an der Nordküste ist Anlaufpunkt von Tausenden von Touristen, die in der Zeit von 08:00 bis 20:00 Uhr mit hunderten von Fähren einfallen. Es stehen nur wenige Liegeplätze zur Verfügung. Ein früheres Einlaufen ist somit unvermeidlich. Der westliche Hafenteil ist den Fähren vorbehalten. Die Liegegebühren sind sehr hoch. Je nach Jahreszeit zwischen 90-140 EUR pro Nacht für eine 41 Fuß Yacht. Aber wenn abends die Touristen weg sind, versprüht Capri ein einmaliges Flair. Enge verwinkelte Gassen und die eigentliche Altstadt, die hoch über dem Hafen gelegen mit einer eigenen Zahnradbahn erreichbar ist.

Der sechste Tag

Morgens noch eine kleine Shopping Tour und kurz nachdem die Touristenströme einsetzen zwischen den heranrauschenden Fähren raus auf´s Meer Kurs Nordwest zur rund 20 sm entfernten Insel Procida. Hoch am Wind liefern wir uns packende “Trimmkämpfe”. Die Seele baumeln lassen, im Cockpit oder an Deck rumlümmeln, die Gedanken ganz weit weg. Erst die von hinten aufkommenden Yachten lassen den Geist und das Fleisch wieder aktiv werden. Holepunkt verschieben, Achterliekstrecker durchsetzen…

Wissenswertes zu Procida

Vom Massentourismus noch ziemlich verschont, hat auch diese Insel Ihren Reiz. Die unsymmetrischen Häuserkonstruktionen bieten eine Fülle von Fotomotiven. Eine kulinarische Inselspezialität ist der Wildhase (Coniglio Selvatico).

Wir nahmen Kurs auf die Südküste mit dem kleinen urigen Hafen Chiaiolella. Neben dem Hafen befindet sich die Naturschutzinsel Vivara die durch eine Brücke mit Procida verbunden ist. Zwischen dem Hafen und der Insel befindet sich ein guter Tagesankerplatz. Nach einem Badestopp liefen wir gemeinsam in den Hafen ein. Klein, verschlafen und wirklich urig, so zeigt sich Chiaiolella den Besuchern. Am Strand befinden sich mehrere kleine Familienrestaurants. Gutes Essen für kleines Geld, bester Service und das unbestechliche Gefühl, hier wirklich willkommen zu sein.

Der siebte Tag

Am siebten Tag soll der Mensch ruhen. So hatten wir es verstanden und auch gemacht. Lange, lange frühstücken, noch einen Badestopp und bei schönem Halbwind zurück durch den Golf von Neapel. Drei Yachten von uns mussten zurück in die Marina Santa Lucia, die anderen drei in den westlich gelegenen Hafen Mergellina. So ist halt Italien, auch die grossen Charterfirmen haben oftmals keine festen Liegeplätze und müssen sich in der Hauptsaison um solche bemühen. Da Santa Lucia keine Tankstelle hat, bietet sich Mergellina zum Tanken an.

Nochmal zurück zum Anfang dieses Berichts: Nun liegt der Vesuv zum Greifen nahe, kein Dunst versperrt die Sicht. So kreuzen wir noch eine Weile im Golf von Neapel, bevor es endgültig zum letzten Anlegemanöver geht.

 

Wissenswertes zu Neapel

Neapel ist sicherlich eine der faszinierendsten Städte Europas. “Bella Napoli” -geliebt und gehasst- mehr als in jeder anderen europäischen Stadt verspürt man hier die ständigen Gegensätze und Widersprüche von Reichtum und Armut, Feststimmung und Trauer. Dementsprechend unterschiedlich sind wohl darum auch die Einwohner. “Neapel sehen und sterben”, so lautet ein Sprichwort. Bitte beachten Sie bei allen Landaktivitäten, dass die Kriminalitätsrate in der Stadt sehr hoch ist.

Einige aus unserer Gruppe sind noch einige Tage länger in Neapel geblieben, um die Stadt mit seinen Kulturdenkmälern näher kennenzulernen. Nachfolgend einige Informationen. Zuerst mussten wir feststellen, dass die Hotelpreise auf einem sehr hohen Level liegen. 120-180 EUR pro Nacht für ein Doppelzimmer sind keine Seltenheit. Wir hatten Glück und sind in einer Privatpension mitten im Herzen der Altstadt abgestiegen. Klimaanlage, sauber, was braucht der Segler mehr nach einem Törn. Victoria House, Via Pessina 66, 80122 Neapel, Tel.: 081-544-4315. Die mit antiken Möbeln ausgestatteten Zimmer liegen im ersten Stock. Auf der Rückseite des Hauses findet man ein Restaurant “la Tana dell´Arte”. Hier nimmt man auch das Frühstück ein und bekommt für alle weiteren Speisen 20% Rabatt. 85,-EUR pro Doppelzimmer sind angemessen und gut angelegt.

Mitten in der Altstadt fanden wir den Kulturverein “Sotterranea”, der Führungen durch die “Unterwelt” Neapels anbietet. Rund 40 Meter unter Neapel geht es 1,5 Stunden durch ehemalige Frischwasserkanäle, die ca. 400 vor Chr. von den Römern angelegt wurden. Ein tolles Erlebnis, sehr zu empfehlen. Die Anschrift lautet: Piazza San Gaetano 68,  Tel.: 081-296944. www.napolisotterranea.org

 

Wissenswertes zu Salerno & Amalfi Küste

Dieser Küstenstreifen mit den wunderschönen Orten wie z.B. Sorrent, Positano, Amalfi und Maiori wird zu Recht eine der schönsten Küsten Italiens genannt. An den steilen Hängen werden die besonders “süssen” Zitronen angebaut, aus denen der bekannte Likör “Limoncello” gemacht wird.

Auch diesen Küstenabschnitt haben wir natürlich mit einem kleinen “Vorauskommando” erkundet. Mit dem Mietwagen (60,-EUR/Tag) ging es vom Flughafen über die Autobahn 3 vorbei am Vesuv und Pompeij (Fahrzeit ca. 1 Stunde) nach Salerno. Hier spielt sich das Leben an der Promenade -Via Lungomare Trieste- ab, spät abends im westlichen Teil der Altstadt mit Kneipen, Musikbars, Restaurants. Höhe Hausnummer 56/58 liegt “Pinocchio”, ein kleines aber feines Restaurant. Hier haben wir ausgesprochen gut und preiswert gegessen und getrunken. Apropos trinken: Die Weine aus dieser Region sind, was die trockenen Roten angeht, meist keine leichten!

Bei einer Yachtübernahme in Salerno bietet sich die Route über Amalfi-Ischia-Procida-Capri-Positano oder Capri-Ischia-Ventotene-Procida-Positano an.

Beide Regionen sind wunderschöne Segelreviere, die es lohnt zu erkunden. Aber bei allen Überlegungen gilt: Die Kosten, die man durch die “günstigen” Flüge u.a. mit Hapag Lloyd Express (www.hlx.com) spart, gibt man durch die hohen Kosten für Verpflegung und Liegegebühren wieder aus.

 

 

 

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